FAQ

Unser Baum ist so groß, fällt der nicht um?

Wie alle Lebewesen wollen auch Bäume überleben, sie wachsen nicht unendlich in den Himmel und fallen dann einfach um. Das Wuchspotenzial, also die Größe, die ein Baum erreichen kann, ist genetisch vorprogrammiert, aber auch sein Standort und seine Vitalität nehmen Einfluss darauf. Bäume haben über Jahrmillionen Anpassungs- und Überlebensstrategien entwickelt. Ihre große Wuchshöhe verschafft ihnen einen entscheidenden Vorteil im Konkurrenzkampf um den besten Platz am Licht.

Ob ein Baum umfällt, hängt also nicht maßgeblich von seiner Größe ab.

 

Wann dürfen Bäume geschnitten werden?

Wann man Bäume zurück schneiden sollte, hängt von mehreren Faktoren, aber auch von der Stärke des Eingriffs, ab. Zum einen können Bäume im belaubten Zustand direkt auf den Schnitt reagieren und mit der Kallusbildung und Überwallung der Schnittwunden beginnen. Der Schnitt im unbelaubten Zustand wirkt sich wachstumsfördernd aus, was in beengten städtischen Verhältnissen häufig nicht wünschenswert ist. Außerdem können auch artenschutzfachliche Belange eine Rolle spielen, wenn der Baum als Lebensraum von geschützten Tierarten genutzt wird.

 

Wie stark dürfen Bäume zurück geschnitten werden?

Fachgerechte Baumpflege sollte sich auf ein Höchstmaß von bis zu 20% Reduktion der Kronenmasse und Schnittwunden von höchstens 10 cm Durchmesser beschränken. Wenn mehr geschnitten werden muss, ist dies häufig ein Zeichen dafür, dass die Maßnahme zu spät durchgeführt wird. Je früher man einen Ast abschneidet, der später stören könnte, umso kleiner ist auch die Schnittwunde. Außerdem orientiert sich die moderne Baumpflege an der natürlichen Kronenstruktur, somit ist der Rückschnitt für Laien auf den ersten Blick kaum erkennbar. Im begründeten Einzelfall müssen auch stärkere Äste oder mehr Kronenmasse entfernt werden z. B. wenn ein Gutachten vorliegt und die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes nicht gegeben ist.

 

Warum werden Bäume in der Stadt geschnitten?

Prinzipiell brauchen Bäume keinen Schnitt. Vielmehr werden sie geschnitten, um den Anforderungen, die wir Menschen stellen, gerecht zu werden, z. B. mehr Ertrag von Obstbäumen, der Lichtraum an Verkehrsflächen oder aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht.

 

Was bedeutet die Verkehrssicherungspflicht für mich?

Prinzipiell hat jeder, der eine Gefahr für Dritte schafft oder in seinem Verantwortungsbereich andauern lässt, z. B. durch die Eröffnung und Unterhaltung von Wegen oder Einrichtungen, die Übernahme einer Tätigkeit, die mit Gefahren für Rechtsgüter Dritter verbunden ist, oder auch dadurch, dass er Bäume pflanzt oder unterhält, von denen Gefahren für Dritte ausgehen können, dafür Sorge zu tragen, dass anderen dadurch kein Schaden entsteht. Der Baumeigentümer hat also grundsätzlich die allgemeine Rechtspflicht, die notwendigen zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um die Schädigung anderer zu verhindern, er hat also die Verkehrssicherungspflicht für seine Bäume. Dies bestätigt auch der Bundesgerichtshof.

 

Wie sorge ich für die Verkehrssicherheit meines Baumes?

Durch die regelmäßige Baumkontrolle, also die Inaugenscheinnahme von Bäumen zur Gefahrenabwehr bzw. Schadensvorbeugung. Sie sollte abwechselnd im belaubten und unbelaubten Zustand erfolgen und wird in der Regel vom Boden aus durchgeführt. Zur Untersuchung von Defektsymptomen und Höhlungen dienen einfache Hilfsmittel wie Fernglas, Sondierstab und Schonhammer zum Abklopfen des Holzkörpers. Über die Ergebnisse sind schriftliche Aufzeichnungen anzufertigen und aufzubewahren. Ist die Verkehrssicherheit nicht gegeben, müssen Maßnahmen zu ihrer Wiederherstellung getroffen werden. Grundsätzlich gilt, dass Bäume verkehrssicher sind, solange es keine Anhaltspunkte gibt, die dagegen sprechen.

 

Darf ich die Baumkontrolle auch als Privatperson durchführen?

Ja, die Baukontrolle kann auch vom Baumeigentümer selbst durchgeführt werden. Ob sich beispielsweise Totholz in einer Baumkrone befindet, kann häufig auch der Laie erkennen. Die Bewertung von hohlen Bäumen oder die Einordnung von Holzfäulen bzw. Pilzfruchtkörpern am Baum dürfte für den Laien jedoch schwierig sein und sollte ausgebildeten Baumexperten überlassen werden. Oft können Bäume noch Jahrzehnte mit Pilzen bzw. Fäulen leben. Hohle Bäume sind nicht grundsätzlich gefährlich! Vielmehr ist der hohle Stamm oder Ast, ähnlich wie beim Fahrradrahmen, ein optimierter Querschnitt und kann bei gleicher Querschnittsfläche mehr Kraft aufnehmen.

 

Zu welcher Jahreszeit dürfen Bäume in der Stadt gefällt werden?

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche oder andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu fällen. Schonende Pflegeschnitte und die Entfernung des jährlichen Zuwachses sind gestattet. Während des ganzen Jahres ist verboten: Fortpflanzungs- oder Ruhestätten wild lebender Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. So sind z. B. Höhlenbäume und Mulmhöhlen, die von Käferarten, Spechten oder Fledermäusen genutzt werden, ganzjährig geschützt. Auch sogenannte Wechselhorste von Greifvögeln sind streng geschützt, selbst wenn diese nicht ununterbrochen genutzt werden. Außerdem können Bäume auch durch eine Baumschutzverordnung, die Aufnahme im Bebauungs- oder Grünordnungsplan oder als Naturdenkmal geschützt sein, auch dann ist die Fällung das ganze Jahr über verboten.

Welcher Grenzabstand muss bei Baumpflanzungen eingehalten werden?

Nach §47 AGBGB ist der einzuhaltende Grenzabstand für Bäume, Sträucher oder Hecken die höher als 2m sind, 2m von der Grundstücksgrenze. Ist ihre Höhe geringer als 2m so muss ein Grenzabstand von 0,5m eingehalten werden. Der Abstand wird von der Mitte des Stammes an der Stelle, an der dieser aus dem Boden hervortritt, bei Sträuchern und Hecken von der Mitte der zunächst an der Grenze befindlichen Triebe, gemessen. Der Beseitigungsanspruch von zu nah gepflanzten Gehölzen verjährt nach fünf Jahren.

 

Ist Baumpfleger eine geschützte Berufsbezeichnung?

Nein, es gibt in Deutschland die Weiterbildungsmöglichkeit im Anschluss an eine abgeschlossene Gärtnerausbildung zum Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung und den Studiengang in Arboristik. Dabei wird Wissen über den Schutz, die Pflege und die Entwicklung von Bäumen und Gehölzen im Siedlungsbereich und die nachhaltige Sicherung ihrer Standorte vermittelt. Die Forstwirtschaftliche Ausbildung hingegen befasst sich in erster Linie nicht mit dem Erhalt und der Pflege von Einzelbäumen, sondern der Rohstofferzeugung im Wald und dem Erhalt von Waldbeständen.